Sooo, jetzt aber, da bin ich wieder. Ich möchte schon soooo lange wieder schreiben, aber leider komme ich erst jetzt dazu und freue mich darauf. Ich möchte mich auch gar nicht wieder in Ausflüchten verlieren, warum es nicht geklappt hat. Daher die Kurzfassung, ich find’s selbst schade und jetzt los.
Mir gehen (aktuell) soooo viele Gedanken durch den Kopf, die eigentlich alle verarbeitet werden wollen, aber dann müsste ich wohl wirklich noch mein Buch schreiben. Und auch wenn ich diese Reizüberflutung durchaus nicht nur gewohnt bin, sondern auch damit umgehen kann, fühle ich mich absolut überfordert. Das Gute ist, dass ich, im Vergleich zur Vergangenheit, psychisch und physisch lange nicht mehr so labil bin, nicht mehr versuche alles gleichzeitig zu bewältigen und auch meistens die Schuld nicht mehr nur bei mir selbst suche, sondern gewachsen bin, auch zum Selbstschutz.
Nichts desto trotz, macht mir nicht nur die weltpolitische Lage, sondern auch generell der Umgang miteinander, schwer zu schaffen. Warum tun wir uns das selbst an? Warum so viel Neid, Missgunst und Hasst, auf sämtlichen Kanälen? Warum haben wir nicht durch die Pandemie, und alles was damit verbunden war/ist, dazugelernt? Warum besinnen WIR uns nicht auf die wirklich wesentlichen Dinge?
Um das vorwegzunehmen, auch ich habe darauf keine Antwort, möchte jedoch diesen Blockbeitrag dafür nutzen, um Mut zu machen und einmal mehr Liebe zu teilen, schließlich bin ich der Lovespreader aus Stuggi. Denn eins ist Fakt, bei all der Scheiße, geht es nicht „nur“ auf die Reise, sondern auch in eine Welt, in der Liebe stärker ist als Hass.
Ursprünglich wollte ich den Beitrag hier über eine Situation schreiben, die unseren Alltag mehr geprägt hat, als ich es eigentlich überhaupt zulassen wollte. Denn direkt in unserer Straße, die an mehr als einer Stelle bunt und laut geprägt ist, haben irgendwelche Vollidioten ein Hakenkreuz auf den Boden geschmiert. Entgegen meiner Erwartungshaltung, war das Symbol des HaSSes nicht nur richtig herum, sondern hatte auch eine deutlich längere Lebensdauer, als vermutet. So kam es, dass nicht nur ich, sondern eben auch meine Familie jeden Tag daran vorbei liefen und uns Gedanken dazu gemacht haben. Wer hat das gemacht, warum wurde es noch nicht entfernt, ist das wirklich aus politischer Überzeugung, eine Art „Bekennerschreiben“, sollten wir es als bewusste Provokation verstehen und wie bringe ich einem siebenjährigen Kind bei was mich daran so stört? Es kamen noch etliche Gedanken dazu, aber all das hat rein gar nichts an der Ist-Situation geändert. Sprich, wir haben es, wenn auch murrend, nahezu stillschweigend hingenommen, zumindest bis vor Kurzem. Denn dann wir haben uns dazu entschlossen, diesen Frevel BUNT UND LAUT, und in Form eines schwarzen Herzes, zu übersprühen. Und was soll ich sagen, seitdem geht es nicht nur mir, sondern hoffentlich auch vielen anderen Menschen besser. Wenn auch eine kleine Geste, ein klares Zeichen, dass man eben doch etwas ändern kann und Liebe stärker ist als Hass. Worüber ich sehr froh bin, weil noch sehe ich es.
Auch wenn das Thema wichtig ist und ich klarer Vertreter bin von „Keinen Fußbreit dem Faschismus“, soll es in dem Beitrag jedoch nicht einzig und allein darum gehen. Wie schlage ich die Brücke? Eigentlich relativ simpel. Ich gehe stark davon aus, dass diese kleingeistigen Faschos deren Symbol mit stolz geschwellter Brust platziert haben, aber darauf braucht man definitiv nicht stolz sein. Ein guter Grund, um GEMEINSAM mit stolz geschwellter Brust in Aktion zu treten, ist hingegen z.B. ein Männerchor 2.0 mit über 50 Mitgliedern, der zum einen zur Zeit die Feinstaubmetropole unsicher macht und zudem ich mich seit Ende Juli selbst zählen darf, die Kesselkehlchen aus Stuttgart, in Anlehnung an die Hopfenkehlchen aus Hamburg, die sich leider dieses Jahr aufgelöst haben. Ein Verbund aus jung und alt, dick und dünn, hohen und tiefen Stimmen, Fans von unterschiedlichen Fußballvereinen, unterschiedlicher Coleur, Religion, sexueller Neigung, mit körperlichen Einschränkungen etc. – Männer, die einfach Bock haben zu singen, gemeinsam Bier zu trinken, Spaß und eine gute Zeit haben wollen, vielleicht sogar die beste ihres Lebens. Ein Chor, der vor Kurzem vermutlich nicht im Traum daran gedacht hätte, mal das Weindorf zu eröffnen, auf dem Wasen auf der Bühne zu stehen oder/und auf Social Media Feedback von den Backstreet Boys und den Sportfreunden Stiller zu erhalten. Das mit Worten zu beschreiben ist extrem schwer, aber kommt gerne mal zu einem unserer Auftritte und ich bin mir ziemlich sicher, dass spätestens, wenn wir vereint, emotional, authentisch und aus stolz geschwellter Brust Angels singen, der Funke überspringen wird.
So und jetzt zum eigentlichen Anlass meines Artikels, auch wenn mir noch etliche weitere Gedanken an meiner Großhinrrinde entlang kratzen, der Stolz Papa zu sein und das nicht einfach nur hinzunehmen, sondern es laut in die Welt schreien zu wollen. In meinem direkten Umfeld gibt es zum einen schon etliche, die stolze Eltern sind, einige die es gerade werden, ein paar denen das leider vorbehalten ist und leider auch viel zu viele, es werden immer mehr, die selbst entweder gar keine Eltern mehr haben oder zumindest keinen Kontakt mehr zu ihnen haben, was sich bei mir leider auch immer in die Richtung „entwickelt“. Daher ist mir das ein wichtiges Anliegen und ich hoffe auch sehr, dass die Message klar rüberkommt, weil man vielleicht irgendwann weder die Chance hat das zu verstehen noch es zu zeigen und was an der Situation zu ändern.
Der wirklich mit Abstand größte Moment in meinem Leben war die Geburt unserer Tochter, dicke Props auch nochmal an meine Frau, das war der reinste Höllentrip und wirklich keine leichte Geburt. Auch heute noch treibt mir das die Tränen in die Augen, weil ich so unendlich dankbar dafür bin, das erlebt haben zu dürfen. Das Ganze ist mittlerweile schon unfassbare sieben Jahre her. Unsere Tochter ist dieses Jahr eingeschult worden und auch wenn ich das früher nicht verstanden habe, wenn die Aussage getätigt wurde, weil die Uhr ja „normal weiterläuft“, die Zeit rinnt nur so davon. Ich weiß noch ganz genau, wie ich die Lütte in der Trage stundenlang durch den Kessel getragen habe, vor allem in der Corona-Phase, wir zusammen auf ihre ersten Konzerte gegangen sind, sie ihre ersten Schritte gemacht hat, ihr ersten Worte gebrabbelt hat, mit dabei war wenn wir PasteUps an Wände geklebt haben und und und. Und wenn die Kräfte immer wieder geschwunden sind, von irgendwo neue Energie herkam, die dich/mich/uns das alles meistern ließ und lässt.
Und jetzt, jetzt ist sie schon in der Grundschule. Sie ist so ein toller, schlauer, liebvoller und empathischer Mensch geworden. Macht schon so viele Sachen großartig, hat das Herz am linken Fleck, kennt die wichtigen Werte, lebt jetzt schon danach und hat einen eigenen, oftmals SEHR sturen, Kopf (kein Wunder bei den Eltern und Großeltern). Sie geht schlichtweg ihren Weg, wird immer selbstständiger und ist so ein tolles Cannstatter Mädel, auf deren weitere Entwicklung ich so gespannt bin. Und dann ist sie sogar noch letzte Woche zur Klassensprecherin gewählt worden. Das freut mich ganz besondern. Nicht nur, weil ich selbst viele Jahre Klassensprecher war, sondern auch, weil das eine Anerkennung ist, ein Zeichen des Gesehenwerdends. Verbunden mit einer großen Verantwortung, aber eben auch eine nicht selbstverständliche Ehre, viel mehr als ein Titel. Kurzum, ich bin mir ganz sicher, dass sie ihren Weg gehen und die Welt verändern wird. Für mein Leben kann ich das schon jetzt mit klarer Gewissheit sagen. Und auch dafür bin sehr dankbar.
Auf der einen Seite habe ich nichts dazu beigetragen und es ist ganz allein ihr Verdienst, aber eins habe ich dann doch getan. Auch wenn wir sicherlich nicht alles richtig machen und sicherlich sogar einiges falsch gemacht haben, Stichwort Fluchen im Auto *haha – eins ist uns extrem wichtig. Wir versuchen gute Vorbilder zu sein, das vorzuleben, was wir auch von ihr erwarten. Und ich denke auch, dass das uns ganz gut gelingt. Damit ihr einen besseren Eindruck von der Lütten bekommt, sie möchte nicht, so wie das früher üblich war, den Beruf der Eltern. Stattdessen möchte sie schon seit geraumer Zeit Tierretterin werden. Auf meinen Einwand hin, dass das Retten von Tieren leider auch mit diversn finanziellen Abhängigkeiten verbunden ist, entgegnet sie wenig beeindruckt, dass ihr das vollkommen klar ist, sie das schon mit ihrer besten Freundin besprochen hat und sie natürlich parallel ein Blumengeschäft eröffnen werden. Und wenn das Geld nicht reichen sollte wird sie natürlich Industriekletterin. Der Grund dafür ist vermutlich, weil ich ihr das mal als Antwort gegeben habe, wie sie evtl. einer ihrer Leidenschaften nachgehen und trotzdem davon leben kann. Schon allein das zeigt doch, was für ein besonderer Mensch sie ist, oder? Kurzum, ich liebe sie und zwischen uns passt kein Blatt, auch wenn sie mich/uns manchmal wahnsinnig macht, aber das ist völlig okay und nehme ich dafür liebendgern in Kauf. Das macht mich unglaublich stolz, lässt meine Brust, nicht zuletzt weil das Herz so doll schlägt, schwellen und zeigt einmal mehr, Liebe ist stärker Hass. Sie ist wahrlich die reinste Liebes-Multiplikatorin und das ohne jegliche Hintergedanken.
Nun zum Problem bzw. zur Herausforderung. Bei uns auf der Arbeit gibt es keine Probleme, sondern „nur“ Herausforderungen. Ich selbst komme nicht aus einem heilen Elternhaus, bin Scheidungskind, meine Eltern haben sich getrennt als ich sieben war (so alt wie unsere Tochter jetzt) und im Nachhinein bin ich froh darüber. Ich habe den Streit und die Unachtsamkeit der Eltern gegenüber sich selbst und leider auch den Kindern zu oft mitbekommen und bin froh, dass mir das größtenteils erspart geblieben ist. Natürlich war das ein harter Cut, wir wurden schlichtweg vor vollendete Tatsachen gestellt und in dem Alter konnte ich das (glücklicherweise) auch nur bedingt begreifen. Aber ich habe nie meine Kindheit als Ausrede genutzt, sondern immer versucht das Beste daraus zu machen, an das Gute, mich selbst und vor allem auch die Liebe zu glauben. Trotz diverser schlechter Erfahrungen, die ich leider sammeln musste, hat sich daran nichts geändert. Und ich liebe nicht nur unser Kind, sondern auch meine Eltern, diverse Freund:innen und ganz viele tolle Menschen, mit denen ich mich umgeben darf.
Auch wenn ich kein Hippiekind bin, trage ich sehr viel Liebe in mir und bin jederzeit bereit sie mit euch zu teilen. Aber ich allein werde den anwachsenden Hass nicht aufhalten können. Daher dieser Appell, glaubt an das Gute im Menschen, verliert nicht eure Hoffnung und kämpft für die gute Sache, auch oder gerade wenn aussichtslos erscheinen mag. In dem Moment, wenn wir nicht mehr laut sind, haben sie gewonnen und das werde ich nicht zulassen. In dem Sinne, seid und bleibt bunt und laut!
Liebe ist stärker als Hass und wir sind mehr,
eure ma.de
Kommentare