Bevor ich anfange, DANKE für alles IPUF Marl und damit auch den Impuls mal wieder zu schreiben. Mich haben in letzter Zeit einige von euch gefragt, ob ich überhaupt noch schreibe bzw. warum schon so lange nicht mehr. Ich habe geschrieben, sehr viel sogar, aber leider nur Mails und die größtenteils als deprimierende Einbahnstraße. Ich liebe das Schreiben, das wissen die Meisten von euch. Es ist für mich die reinste Therapie und befreit einfach. Und doch schaffe ich es leider nur noch sehr selten mich textlich zu öffnen und euch mitzuteilen. Doch der Mut ist in letzter Zeit gewachsen, schon allein deswegen, weil ich meine Gedanken dokumentieren möchte, vielleicht sogar muss.

Keine Sorge, mir geht es gut, aber nach sehr intensiven Wochen, konnte ich dieses Wochenende einfach noch mehr loslassen. Und in der Konsequenz kullerten dann auch lange die Tränen. Gar nicht aus Trauer, sondern vielmehr aus Erleichterung und überwältigenden Freude. Ich nehm‘s vorweg, meine Spendenaktion für KEIN BOCK AUF NAZIS war leider ein kompletter Flop, denn ich konnte kein einziges meiner Bilder verkaufen. Lediglich 2€ sind in der Spendenbox gelandet. Ich werde aber dennoch spenden, weil das einfach ne Herzensangelegenheit ist. Zudem werde ich hart und selbstkritisch an meiner Verkaufs-/Standperformance arbeiten, sorry.

Zurück zum Thema. Meine Freunde und langjährigen Weggefährten von den Die Siffer haben eine Textteile, die seit Ewigkeiten extrem polarisiert „Männer weinen nicht“ lautet diese. Und wird sie, wie oftmals schon geschehen, aus ihrem Kontext gerissen, könnte man/Frau/divers sie jetzt als Appell verstehen, doch das Gegenteil ist der Fall. Ich kenne diese wunderbaren Herren jetzt seit über 30 Jahren und ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass alle drei, ganz früher sogar mal vier, sehr emotional sein können und sich deren Stärke unter anderem dadurch auszeichnet Schwäche zuzulassen und teilweise sogar zu zeigen.

Doch „nur“ um mal wieder in einem in seiner „goldenen Zeit stehengebliebenen“ Hotel zu flennen, wäre ich vermutlich nicht in die Weltmetropole Marl gefahren, die Intension war/ist eine andere. Und während ich diese Zeilen AM HANDY schreibe, geht mir soooo viel durch den Kopf. Mal schauen, ob und wie ich das hier alles unterbringe.

Der wahre Hintergrund, warum ich mich aktuell auf dem Bett in meinem Hotelzimmer in Marl befinde. Weit weg von daheim und doch irgendwie bei meiner „Familie“. Dieses Wochenende findet in Marl die IPUF, das international Paste-Up Festival, statt, zu der ich freundlicher Weise, neben so unfassbar vielen tollen Künstler:innen eingeladen wurde. Ein Streetart-Festival über zwei Tage, bei dem völlig unterschiedliche Kunstschaffende von nah und fern zusammenkommen. Nicht nur um deren geistigen Ergüsse zu sehr fairen Preisen feilzubieten (nicht selbstverständlich in der Szene), und das teilweise sogar für den guten Zweck z.B. als Spenden für ein lokales Tierheim, sondern bei dem man sich austauscht, die gemeinsame Leidenschaft Streetart lebt, sich Mut macht, Liebe in Unmengen teilt und bunt und laut und voller Herzblut einsteht für die Sache.

Dieses Festival ist nicht „nur“ mit soooo viel Leidenschaft aufopfernd organisiert worden, sondern macht das Jugendzentrum Hagenbusch, auch bei schlechtem Wetter, zu einem schillernden Kleinod in NRW, dessen Besuch den Weg auf jeden Fall wert ist. Hier gibt es sogar diverse Künstler:innen eigens aus den Niederlanden und UK angereist, Wahnsinn. Etliche konnten leider nicht live dabei sein, haben aber ihre Werke im Vorfeld geschickt, wurden von uns verewigt und sind damit auch ganz klar Teil des Ganzen. Warum, nicht nur weil man den Spirit wie ein mit Kreide eingedeckter ausgetrockneter Schwamm aufsaugen möchte, sondern auch um den Organisatoren was zurückzugeben.

Die letzten zwei Jahre habe ich es leider selbst nicht in Persona hierher geschafft und in der Szene bin nicht nur ein kleines unbedeutend flackerndes Glühwürmchen, sondern einfach ein Küken (Props gehen raus an Coby), und dennoch habe ich die unglaubliche Ehre mich dort bereits klebend vorzufinden. Und das neben all diesen unglaublichen Künstler:innen, von denen ich teilweise ein richtiger Fanboy bin, und dafür bin ich extrem dankbar.

Einfach unfassbar mit wieviel Liebe zum Detail hier nicht nur gestaltet, sondern ganze Geschichten an den Wänden/Räumen erzählt werden. Da steckt so viel Empathie, Liebe und sicherlich auch Schweiß, Tränen und nicht immer rosige Zeiten dahinter. Daher nochmal ein großes DANKE, dass ihr das immer wieder auf die Beine stellt und so viel reinsteckt, ich lieb‘s einfach.

Und schon wieder dieses große Wort, mit dem schon einiges an Schindluder getrieben wurde, Liebe. Ich hab‘ etliche tolle und teilweise auch extrem intensive Gespräche geführt an diesem Wochenende, die ich alle gar nicht so schnell verarbeitet bekomme (und schon wieder kullern mir die H2O-Kügelchen sanft die Wangen entlang Richtung Süden), aber drei, eigentlich sogar vier, Momente haben mich sehr bewegt.Und diese möchte ich gern hier mit euch teilen.

Die erste Situation war, als mir einer der sehr geschätzten Künstler, mit dem ich gerade erst eine Collabo machen durfte (Props an #zeitlos.kunst) sagte „du hast ein gutes Herz, eine schöne Seele“. Mag auf den ersten Blick etwas kitschig, fast schon esoterisch angehaucht, klingen und wir kennen uns ja auch nicht gut/lange, aber genau deshalb geht es bei mir so tief, berührt es mich, kann ich es auch verlegen annehmen und hundert prozentig zurückgeben. Wir kannten uns bisher „nur“ über Insta und dennoch öffnet sich dieser wunderbare Mensch mir gegenüber so aufrichtig und sagt so etwas Nettes, danke dafür.

Dann die Tatsache, dass sich jemand extra aus Düsseldorf auf den Weg nach Marl macht, nicht nur um der Veranstaltung beizuwohnen, sondern auch um mich zu überraschen, besuchen und live und in Farbe in deren Arme zu schließen, das bedeutet mir viel. Und dann noch gemeinsam live Kunst zu machen, das ist toll. Wir haben uns über Steeetart kennengelernt, die Collabo mit ihr war meine erste, wird es auch immer bleiben, und ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne sie den Sprung selbst PasteUps zu machen überhaupt je gewagt hätte, danke #mutabel.

Und dann kam er einfach so aus dem Nichts. Ihr dachtet vielleicht in Marl gäbe es keine Wölfe, aber da stand er, DER wahrhaftige Wolf. Wir kennen uns noch viel länger, er bezeichnet mich immer wieder als „Bekloppten“, der ich auch bin, er übrigens auch. Und wir teilen mindestens eine weitere Leidenschaft, das Sammeln von Vinyl. Ungefähr zu dem Zeitpunkt (Corona), als ich auch beschlossen habe bei Insta täglich ein Bild zu posten, ziemlich genau 2213 Tage ist das her, sind wir uns auch in unser ebenso virtuell entstandenen und voll Liebe steckenden The-Group-Familie, aus der sooo viele tolle Begegnungen und teilweise sogar Freundschaften quer durch Deutschland und Österreich entstanden sind, begegnet. Auch wir, zwei völlig unterschiedliche Charaktere, aber mit dem Herz am rechten Fleck, der Bereitschaft einfach mal zu machen und sich völlig ohne Hintergedanken vom Gefühl treiben, oder eher tragen, zu lassen. Danke, dass du da warst und uns besucht hast und das trotz der aktuellen Situation. Das bedeutet mir viel und vergesse ich dir nicht. Wolf sagte am Schluss, „wie geht‘s dir eigentlich, dir geht’s gut, oder? Dir geht’s immer gut!“ Und ich erwiderte „wenn ich nicht so abgelenkt wäre und ich zulassen würde mich damit zu beschäftigen, ginge es mir vermutlich nicht so gut.“ Respekt an mich selbst, das ist ganz schön ehrlich und selbstreflektiert. Alles was damit zu tun hat, erspare ich euch jetzt, aber bevor ihr jetzt versucht zwischen den Zeilen zu lesen, ich komme darauf zurück, versprochen.

Dann zum vierten Moment, der mich vermutlich noch am längsten beschäftigen wird, weil ich das Geschehene (noch) nicht so richtig realisiere und da noch so einiges im Nachgang aufploppen wird. Diese warmherzigen und unglaublich sympathischen Menschen aus Holland (#breda.tasty und #studio.lucy.fur, you are so nice people), die ein Huhn namens Coby auf so liebevolle Art und Weise inszenieren, kamen auf die Idee, dass sämtliche anwesende Künstler:innen deren Version eines Huhns auf einen Blanko-Kleber packen sollten. Mir war da schon klar, weil ich um die Skills der kreativen Bande weiß, dass ich künstlerisch komplett dagegen abstinken würde. Und als ich begann die bisherigen Ergebnisse zu inspizieren, wurde das bestätigt. Aber natürlich wollte ich auch ein Teil davon sein. Ich kann definitiv nicht gut zeichnen, konnte ich noch nie, aber ich bin kreativ und ich mache es IMMER MIT HERZ. Das ist für mich die wichtigste Grundvoraussetzung. Macht ihr es nicht mit Herz, macht ihr es, zumindest auf lange Sicht, nicht gut. Und so hab‘ ich mir nen Ruck gegeben, verließ nicht zuletzt, weil mich Eva von #alternativecognetours, mit der ihr unbedingt mal durch Köln ziehen und euch die Insidestories berichten lassen müsst, dazu ermutigt hat, meine Komfortzone zu verlassen. Ich bin so froh, dass ich es getan habe und mir das keiner mehr nehmen kann. Was hab‘ ich nun gezeichnet, nachdem ich all diese wunderschönen und einzigartigen Interpretationen gesehen habe und bei dem jeder Versuch dem künstlerisch irgendwie beizuwohnen kläglicher gescheitert wäre als die Regierungspolitik von FTZNFRTZ. Ein kochendes Spiegelei in einer Pfanne, über dem steht „WHY MOMMY?!“ ist die Antwort…Das Video mit all den Hühnern seht ihr aktuell bei Insta in meiner Story, ich werd‘s auch noch definitiv in meine Highlights 2026 packen. Warum, weil es diesen hier erlebten Spirit soooo toll beschreibt. Auch wenn wir in vielerlei Hinsicht komplett unterschiedlich sind, haben wir mindestens eins gemeinsam, das Lechzen nach wohlduftendem Lackgeruch, dem Kleister, dem Leim oder auch dem Montagekleber, die Streetart verbinden, und damit auch die Liebe zur Kunst.

Hier schließt sicher nun der Kreis und passender könnte man keine Brücke schlagen. Danke #internationalpasteupfestmarl, danke #jugendzetrumhagenbusch und #mind.tha.cat für die Orga, danke euch allen, für alles was ihr das einbringt und mit mir/uns teilt. Dieses Wochenende werde ich nie vergessen, daheim meinen Lieben davon berichten, mit jedem neuen Piece mit mir tragen und weitergeben und genau das wird mich weiter motivieren. Wenn ich darf, komme ich gerne wieder und versteht diesen mühevollst geschriebenen Monolog als das was er ist, eine Hommage an die Liebe. #amendesiegtdieliebe

Und nun zu meiner Brücke von Coby, ihr erinnert euch, das Huhn, als Symbol der Streetart-Kultur, MERZ, LECK EIER!!! *haha

In dem Sinne, fühlt euch geliebt,

eure ma.de