Ein weiteres Mal fahr’ ich zwischen denen die mich lieben und denen die ich liebe hin und her. Ich durchstreife die Lande, begleitet von vielen weiteren Seelen, ganz in Ruhe und auf Schienen. Endlich mal Zeit loszulassen, den Blick zwischen den Bäumen ins Innere der Wälder schweifen und sich vieles durch den Kopf gehen zu lassen.
Was für ein Jahr, so viele Eindrücke, die nicht nur aufgenommen, sondern auch verarbeitet werden wollen und müssen. Und jetzt hab’ ich die Zeit, kann alles auf mich wirken lassen. Doch will ich das auch, will ich mich all dem stellen? Die Konsequenzen für alles Geschehene übernehmen, pack’ ich das denn?
Hab’ ich schon wieder die Kraft mich mit allem auseinanderzusetzen? Okay, mir ging’s dieses Jahr schon deutlich beschissener, ich hab’ schon des öfteren gedacht bzw. mich gefragt, ob ich das denn überhaupt noch packe. Und jetzt geht es mir wieder um einiges besser, ich blühe wieder ein wenig auf, aber reicht das, was ich mir wieder mühsam erwirtschaftet habe aus, um den neuen Herausforderungen Stand zu halten? Ich kann doch nicht ständig davon laufen, mich irgendwo verstecken, mir eine Maske aufsetzen und dem Unangenehmen aus dem Weg gehen, nichts an mich ranlassen und darauf hoffen und vertrauen das es von allein irgendwann aufhört. Auf der einen Seite fühle ich mich wieder stark bzw. gestärkter, ich fühl mich in der Lage neuen Herausforderungen zu trotzen und mich neuen Mutes erneut durchzubeißen. Aber auf der anderen Seite spüre ich, wie mein Körper darauf bedacht ist und förmlich danach lechzt sämtliche noch vorhandenen Kräfte zu sammeln, um seine Wunden zu lecken. Ich will mich da nicht so reinsteigern, aber ich kann nicht anders. Ich würde sehr gern die schwarze Farbe meines ganz persönlichen Farbkastens gegen ein dunkles Weiß tauschen. Die alten und sehr viel bunteren Farben suchen, finden und komplett alles damit übermalen. Ein fröhliches Bild, an dem sich jeder erfreut, wo nicht wichtig ist was sich der Künstler dabei gedacht hat, bei dem aber jeder nicht umher kommt zu schmunzeln und das einem ein wohliges Gefühl verschafft. Doch mein Werk ist schon sehr düster (geworden), nur mit sehr viel Mühe wird es mir gelingen diese dunklen, tristen und depressiven Farben zu überdecken. Vielleicht nehme ich einfach das Blatt Papier, auf dem ich all diese Eindrücke bisher festgehalten habe, zerknülle es, schmeiß’ es weg und fange von vorne an. Die ganzen Eindrücke würden ja erhalten bleiben, aber ich könnte so tun, als wäre nichts gewesen. Ein weißes Papier, ein Zustand vor dem so viele Menschen größten Respekt und teilweise auch Angst haben, aber ich hab’ mich nie davor gefürchtet. Mir ist es nie schwer gefallen ein blankes Papier mit Inhalt zu fühlen, vor Kreativität überzusprudeln, die buntesten und vielleicht auf den ersten Blick verrücktesten Farben rauszusuchen und einfach darauf los zu pinseln. Meinen Gedanken Luft zu machen und versuchen sie dem Betrachter auf unkonventionelle Art und Weise zu präsentieren. Ja, das kann ich und das werd’ ich auch, aber auf dem bestehenden Papier, noch besteht die Möglichkeit es zu retten, mit völliger Liebe und Hingabe daran zu arbeiten. Dieser 6B Stift der so dominant aus meinem Bild hervorsticht kann mir gar nichts. Er hat den Gesamteindruck des Kunstwerkes schon stark geprägt, aber er wird mich nicht dazu bringen, dass das ganze Bild so dunkel bleibt. Ich werde mit starken Kontrasten arbeiten, werde die Möglichkeit nutzen und mit grellen und fröhlichen Farben entgegenwirken. Eigentlich müsste ich sogar froh sein, denn durch das bereits Vorhandene haben die Farben überhaupt erst die Chance richtig zu wirken, sich allem entgegen zu stellen und in vollem Glanze zu erstrahlen, in diesem Sinne. Auch auf diesem Wege nochmals frohes Fest und einen guten Rutsch.

:love: eure holzma.de

2 thoughts on “Schwarz ist (k)eine Farbe

  1. Hallo Fabse,

    gebt dir völlig recht und nicht umsonst habe ich das “k” in meiner Überschrift in Klammern gesetzt ;) Will das auch nochmal betonen, mir geht’s hier nicht darum rumzujammern oder gar schwarz- bzw. dunkel-weiß-zu-malen. Mir hilft das Schreiben einfach und ich hoffe, so wieder zurück zu den bunten, mutigen und knalligen Farben zu gelangen, nicht mehr aber auch nicht weniger. LG

  2. Der “Horror vacui” existiert für mich nicht- da freie Flächen schnell gefüllt sind. Und im Leben gilt wie bei der Eitempera-Malerei: Erst viele Schichten Farbe lassen das Bild glänzen- es sei denn, man hilft mit Tricks nach- aber wer will das schon? Und ein Blatt wegzuwerfen hilft nicht, es aufheben, überarbeiten und verbessern- darin liegt (neben dem Handwerk) die Kunst.

    Übrigens sollten wir unser Farbbild nochmals überdenken: In Indien ist die Farbe Schwarz mit Kraft und Gesundheit verbunden, in Australien sogar mit “Menschlichkeit”- und wir deklassieren es als Nicht-Farbe und assoziieren sie mit Trauer- das hat sie nicht verdient!

    Beste Grüße,

    Fabse

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