Schon wieder viel zu lange her und ich bin es auch leid mich dafür zu entschuldigen, vor wem denn auch und für was, ich mache das ja auf freiwilliger Basis und bin niemandem was schuldig, oder? Dennoch tut es mir leid, dass ich nicht mehr so regelmäßig schreibe. Ich habe häufig das dringende Bedürfnis zu schreiben, irgendwie brauche ich das auch als Selbsttherapie. Diesmal schaffe ich es sogar, mich aufzuraffen und, auch wenn mir die Übung fehlt, in die Tasten zu hauen. Gerade in letzter Zeit, hatte ich den Drang, aber in letzter Konsequenz hat es dann leider nicht gereicht, heute schon.
Der Ausgang war eine banale Alltagsituation, die ich gestern mit einem meiner treuesten Wegbegleiter hatte, Excel. Die anderen Wegbegleiter sehe ich leider (fast) gar nicht, was ich extrem bedauere. Ich habe gestern jdenfalls ein Angebot finalisiert und dafür habe ich unter anderem von den Kollegen eine Excel-Tabelle zur Kalkulation der Aufwände, auf Jahresscheiben verteilt, erhalten. Jedoch habe ich nicht sämtliche Positionen daraus benötigt und die Ungewünschten folglich entfernt. Wie bereits vermutet, habe ich mir dadurch natürlich sämtliche Formeln zerschossen und aus mindestens 90% der Zellen grinzte mir dann „#BEZUG“ ins Gesicht. Daher habe ich mir die Formeln genauer angeschaut und ,entgegen sämtlicher Erwartungen meiner ehemaligen Mathelehrer:innen, habe ich nicht nur verstanden was dort wie errechnet wurde, sondern konnte die Formeln sogar berichtigen.
Nachdem ich genau das getan habe und die reparierte Formel auf die üblichen Zellen übertragen konnte, hat das alles richtig Sinn ergeben und das ursprünglich dargestellte Chaos hat sich in Wohlgefallen aufgelöst. Das Ziehen mit dem Plussymbol in der rechten unteren Ecke, hat mir ein völlig unerwartetes Gefühl innerer Glückseligkeit beschert. Hätte mir das früher jemand gesagt, dann hätte ich ihn/sie nicht nur als verrückt erklärt, sondern vermutlich auch dreckig ausgelacht.
Apropos früher, kommen wir zum zweiten Beweggrund, die Sehnsucht nach Geborgenheit und das Kramen in alten Kindheitserinnerungen. Nicht zuletzt, weil ich gerade miterleben darf wie die Lütte wächst und gedeiht, was für ein toller Mensch sie jetzt schon ist, ich grötenteils mit Schrecken wahrnehme was in dieser Welt so alles passiert, das maßgeblich ihre Gegenwart/Zukunft beeinflusst, und ich mich auch immer wieder bei Vielem davon machtlos fühle, habe ich das dringende Bedürfnis mich an jedem Strohhalm Hoffnung festzuklammern, in dem Fall dem Schreiben.
Leider bin ich (aktuell) sehr getrieben und aus diversen Gründen massiv unter Druck, schlafe schlecht, fühle mich schuldig, kann keine klaren Gedanken fassen und gehe einfach nicht sorgsam (genug) mit mir und meiner Umwelt um. Aber zumindest nehme ich das (noch) wahr und bin auch selbstreflektiert genug, um etwas an der Situation zu ändern, ändern zu wollen. Denn auch wenn die Zeit regelrecht an mir/uns vorbeirennt und wir voll drin sind in diesem Hamsterrad, haben ja nur wir es selbst in der Hand etwas daran zu ändern. Und bei mir gibt es definitiv einiges zu ändern. Dafür ist es aber notwendig mindestens mal etwas vom Gas zu gehen, oder/und im dümmsten Fall dann zumindest die Notbremse zu ziehen. Das Zweite trifft vermutlich auch gerade auf mich/uns zu. Kurz zusammengefasst, die Ist-Situation kann und darf kein Dauerzustand sein. #pobackenzusammenkneifeninallenehren
Umso wichtiger ist es, sich auf die wirklich wichtigen Werte zu besinnen, nicht zu resignieren und nicht alles „einfach hinzunehmen“. Spätestens hier verschwimmen das Erlebte der Vergangenheit, die guten und schlechten Erfahrungen, das damit verbundene Prinzip Hoffnung und das Hier und Jetzt.
Bevor ich die Erinnerung schildere, die mir da ganz konkret in den Sinn kommt, möchte ich noch eine Info zum Besten geben, die vielleicht auch den Titel des Beitrags erläutert. Ich bin in der Schule eine gewisse Zeit lang „Menschenrechtsdirk“ von den Mitschülern genannt worden, vereinzelt nennt man mich heute noch so, aber mehr zum Frotzeln. Und nachdem mir selbst meine Frau gestern gesagt hat, dass ich darüber noch nicht (mit ihr) gesprochen habe, nutze ich die Gelegenheit, um das hier kund zu tun. Die Geschichte ist eigentlich gar nicht so spektakulär, aber mit dem Namen bzw. Begriff kann ich mich nach vor identifizieren, auch wenn ich kein Klassen- bzw. Schulsprecher und auch nicht mehr Mitlglied der Fachschaft. Denn ein Punkt, der mich immer wieder triggert ist soziale Ungerechtigkeit, vor allem denen gegenüber, die sich nicht oder nur bedingt wehren können, Tiere, Kinder, sozial Benachteiligte, von der Gesellschaft Ausgeschlossene…you name it. Das Absurde daran ist, dass ich, obwohl ich selbst so einen ausgeprägten Sinn nach sozialer Gerechtigkeit und Harmonie habe, immer wieder selbst Grund dafür gewesen bin. Ich habe oft und viel gelästert, habe zwar in den meisten Fällen auch die Eier, dass ich das Gedachte den Personen ins Gesicht sagen kann, aber eben nicht immer. Und natürlich ist auch das Teil des Problems, um nicht zu sagen regelrecht scheinheilig, wofür ich mich schäme. Wie oft habe ich mir schon böse das Maul zerrissen und mich dann im nächsten Moment für genau die Betroffenen stark gemacht, gegenüber anderen behauptet, versucht empathisch andere von dieser stattfindenden Ungerechtigkeit zu überzeugen und damit etwas an der Situation zu ändern, anstatt es selbst zu unterlassen und mit gutem Beispiel voran zu gehen. Macht eigentlich keinen Sinn, aber ist leider einfach die Wahrheit, was es nicht besser macht, das ist mir klar. Daher könnte man den Begriff vielleicht auch als Provokation derjenigen verstehen, die wissen, dass ich keinen Deut besser bin, zumindest habe ich es immer wieder so interpretiert. #getroffenehundeundso
Kommen wir zu besagter Erinnerung. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wie alt ich genau war, aber ich würde sagen noch keine zehn Jahre alt. Meine Eltern waren bereits geschieden, also nach 1986, und ich bin mit meinem Dad Fahrrad gefahren gewesen. Auf dem Rückweg in unser provinzielles 10.000 EInwohner-Kaff sind wir über die Felder bei Stammheim gefahren und in ein heftiges Gewitter geraten. Wir waren beide innerhalb von Minuten klatschnass und es gab weit und breit keinen Unerschlupf. Während mir der Regen ins Gesicht peitschte und meine Tränen sich mit dem Produkt der Wolken mischten, versuchte mein Vater mich davon zu überzeugen, dass wir da jetzt gemeinsam durch müssen und wir das gemeinsam schaffen, gemeinsam. Ich weiß nicht mehr wie lange wir gefahren sind in diesem Unwetter, aber es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Irgendwann haben wir dann endlich eine Unterführung, direkt am Tennisheim, erreicht, waren klatschnass und ich nicht nur komplett erschöpft, sondern auch am Weinen. Mein Vater war selbst komplett durch, aber ihm war klar, dass er sich in der Situation primär um mich kümmern muss und das hat er auch getan. Er nahm meine eiskalten Hände, steckte sie unter seinen Pulli, legt sie auf seinen warmen Bauch und sprach mir Mut zu. Ich weiß nicht mehr was er gesagt und es tut auch nichts zur Sache, aber Fakt ist, dass mir diese Geste, selbst in dieser vermeitlichen ausweglosen Situation, Mut gemacht hat, micht motiviert hat die Tränen abzuwischen, nach einer kurzen Pause den restlichen Weg auf mich zu nehmen und mir heute noch Kraft gibt. Kraft, um nicht aufzugeben, zu hoffen, weiterzumachen und heute auch meiner eigenen Tochter eine Stütze in ihrem Leben zu sein, danke dafür, Dad. Du hast sicherlich nicht alles richtig gemacht, tust es heute noch nicht und Vieles davon verstehe ich auch nur bedingt. Aber ich liebe dich von ganzem Herzen und ich weiß, dass du nicht nur immer zu und hinter mir gestanden hast, sondern immer mein Bestes wolltest/willst.
Das war heute ein sehr persönlicher Einblick. Was ich damit eigentlich sagen will, atmet. Wir sind alle nur Menschen, manchmal sind wir überfordert, manchmal treffen wir falsche Entscheidungen, manches kommt leider zu kurz und mit vielen Dingen gehen wir selbst zu unsorgsam um, aber das gehört dazu. Wir müssen einfach schauen das Beste daraus zu machen und bei der ganzen Scheiße, die auf der Welt und in unserem eigenen Land passiert, ist mir eins besonder wichtig, bleibt BUNT UND LAUT!
In Liebe,
eure ma.de
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